Aufstieg und Entwicklung des Unternehmens nach 1945 – Seite 2

Die Verlagerung bzw. Zusammenlegung der Bearbeitungswerkstätten erforderten auch einen kompletten Neubau von Werk I. Die ehemalige Abteilung Walzengießerei kam damit zum Erliegen; alle vorhandenen Hallen wurden wegen Unzweckmäßigkeit abgerissen, sämtliche alten Kupol- und Flammöfen mit Aufnahme des neuen Schmelzbetriebes stillgelegt, und 1962 präsentierten sich die Hallen 1 bis 8 der Dreherei in einem neuen und moderneren Aussehen.

Die 1962 abgeschlossenen Neubauten erfuhren bereits 1967 eine weitere Ergänzung durch eine neue Schleiferei für Kalanderwalzen in der jetzigen Halle 9 von Werk I. Diese Ausbaumaßnahmen beinhalteten zudem die erste Stufe eines neuen Verwaltungszentrums mit modernem Rechenzentrum. Nur der alte Obergraben am Fuße des Halsberges erinnert noch an die Zeit, wo die alte Silber- und Bleihütte, die Wasserkraft der Sieg zm Betreiben der alten Schmelzöfen nutzte. So oft die Sieg auch verlegt werden musste - dreimal bis zur letzten baulichen Veränderung (1900, 1938 und 1960) - sie war nicht nur Ursprung des Firma Hermann Irle, Deuz, sie war auch 90 Jahre an ihrer firmengeschichtlichen Entwicklung beteiligt.

Die modernisierten Hallen des Werkes I bieten ihren Arbeitern seit Ende der sechziger Jahre saubere und helle Arbeitsplätze in großzügig angelegten Werkstätten zur Bearbeitung von Walzen und verschleissfesten Werkzeugen aller Art. Gerade noch vier Schleifmaschinen blieben in der 10.000m² großen Halle an ihrem angestammten Platz. Alle Drehbänke und sonstige Bearbeitungsmaschinen wechselten ihren Standort. Die Trennwände, die im alten Stammwerk des über 140jährigen Familienbetriebes eine Abteilung von der anderen hermetisch abriegelte, gibt es in dem weitläufigen Neubau seit 1967 nicht mehr. Von einigen Stellen kann man sogar alle Arbeitsplätze des Betriebes überblicken.

Die Werksleitung legte besonderen Wert auf eine freundliche Arbeitsatmosphäre, in der die einzelnen Mitarbeiter nicht isoliert voneinander, sondern in stängigem Kontakt zueinander, aber dennoch eigenverantwortlich ihre Arbeit tätigen.

Die Verbundenheit zwischen Belegschaft und Werksleitung ist nicht erst mit den Arbeitserleichterungen einhergegangen, sie hat schon Tradition. Das beweist die Tatsache, dass bis zum Jahre 1963 etwa 20% aller Arbeitnehmer Jubilare mit einer Betriebszugehörigkeit von mindestens 25 Jahren sind. Acht Jubiliare wurden mit einer 50jährigen Firmentätigkeit, 35 mit einer 40jährigen Tätigkeit und 80 Jubilare mit einer 25jährigen Firmenzugehörigkeit geehrt. Im Jahre 1964 wurden rund 630 Mitarbeiter beschäftigt.

Von der Firma Irle wurde schon mit Gründung der "Albert-Irle-Stiftung" im Jahre 1938 die Grundlage für weitere Sozialleistungen geschaffen, die der Belegschaft unmittelbar zugute kamen und auch heute noch kommen. Neben dieser 'finanziellen Notfallunterstütung' ließ die Unternehmensleitung in den Nachkriegsjahren mit Hilfe einer werkseigenen Bausparkasse für die Belegschaftsmitglieder Häusersiedlungen und Werkswohnungen bauen, die später alle von den Bewohnern als Eigentum erstanden werden konnten.

In der "Irle-Siedlung", südlich der Walzengießerei am unteren Dorfende gelegen, schlossen sich die Eigenheimbesitzer, darunter auch Flüchtlinge und Vertriebene aus deutschen Notstandsgebieten, zusammen. Sie bekamen von der Bauspargemeinschaft der Firma ein günstiges Darlehen und wohnten fortan in direkter Nähe zu ihrer Arbeitsstätte.

Die Vorteile waren naheliegend: die Belegschaftsmitglieder sollten möglichst in der Nähe ihres Arbeitsplatzes sesshaft gemacht werden, auswärtige Fachkräfte durch Wohnraumbeschaffung an das Unternehmen gebunden werden, denn, Mitarbeiter, die von weiter auswärts kommen und oft viele Stunden vor Arbeitsbeginn unterwegs sind, schon ermüdet am Arbeitsplatz ankommen, während der ortsansässige Mitarbeiter ausgeruht, gekräftigt und daher befriedigt seine Arbeit antritt, leisten weniger, sind unkonzentrierter und damit anfälliger für Betriebsunfälle und Krankheiten.

Neben durchgreifenden baulichen Veränderungen kam es nach dem plötzlichen Tod von Werksdirektor Fritz Bohn im Jahre 1965 erneut zu einem personellen Wechsel an der Führungsspitze. Die Geschäfte wurden nun von Dr.-Ing. Erich von Gumpert, Dr. rer. pol. Wolfgang Jacobs aus Siegen und Dipl.-Ing. Hartmut Mildner aus Kaan-Marienborn geführt.

Nach der Eingemeindung von Deuz in die Großgemeinde Netphen erhielt das Unternehmen den Namen IRLE DEUZ GMBH, um den Stammsitz "Deuz" mit dem Unternehmensnamen zu verbinden. Als später weitere Aktivitäten hinzukamen, bekam das Deuzer Werk den Firmennamen WALZEN IRLE GMBH, DEUZ. Es ist nun eine Tochtergesellschaft der Firma IRLE DEUZ GMBH.