Aufstieg und Entwicklung des Unternehmens nach 1945

Die zweite Hälfte der dreißiger Jahre war eine der produktivsten Phasen des Deuzer Unternehmens. Die Geschäfte ließen sich durch den Konjunkturaufschwung neu beleben, das Auftragsvolumen nahm zu und sorgte für Vollbeschäftigung in den Werkshallen. Es musste weiter ausgebaut werden, da die Fertigungsstätten nicht mehr ausreichend Platz geboten haben. Im Werk I am oberen Dorfausgang wurden die Bearbeitungshallen nach dreijähriger Bautätigkeit im Jahre 1938 eingeweiht. Im gleichen und nächsten Jahr wurden auch Gießerei und Bearbeitungshallen von Werk II ausgebaut.

Der 2. Weltkrieg verschonte zwar die Werksgebäude, doch musste die langjährige Walzenfertigung zu Gunsten von Rüstungsaufträgen zurückstehen. Im Spätherbst 1944 kam die Produktion ganz zum Erliegen, und mit der Besatzung folgte die Demontage von hochwertigen Maschinen. 1946 bekam die Firma nach langem Warten die Bewilligung zur Wiederaufnahme der Arbeit. Unter vielen Schwierigkeiten und dem Einsatz der treuen Belegschaftsmitgliedern waren die Anfänge der Jahre nach dem Krieg zu meistern. Die beträchtlichen Demontageschäden konnten aber erst 1951 durch Neukauf von Schleifmaschinen beseitigt werden.

Am 20. März 1948 starb Seniorchef Albert Irle an den Folgen eines Autounfalls. Er gründete anlässlich seines 50jährigen Dienstjubiläums den "Albert-Irle-Fond", eine Pensionskasse, die Invaliden, Pensionären, Witwen und Waisen in Notfällen zusätzliche Unterstützung zusicherte. Außerdem werden aus ihr Sterbegelder, Krankheits- und Kurzuschläge sowie Notstandsunterstützungen gezahlt.

Im Jahre 1949 verstarb Günther von Gumpert am 2. November nach längerer Krankheit. An seine Stelle trat Benno von Gumpert ehrenamtlich in die Geschäftsführung ein. Seit seinem plötzlichen Tod am 11. Januar 1954 leitete Fritz Bohn den Familienbetrieb.

Fritz Bohn, der bereits 1938 zum Unternehmen kam und zusammen mit Albert Irle und Günther von Gumpert die Firma Herm. Irle als kaufmännischer Geschäftsführer leitete, wurde nun alleiniger Geschäftsführer bis zu seinem Tod im Jahre 1965. Unter seiner Führung werden in den folgenden Nachkriegsjahren die Baulichkeiten erweitert und modernisiert, neue Maschinen für Büro und Betrieb angeschafft sowie technische Einrichtungen fortlaufend verbessert.

Der allgemeine Aufschwung nach der Währungsreform ließ das Unternehmen neu erblühen. Die Flammofenkapazität musste erneut erweitert werden, und Irle goss 1951 als erste Walzengießerei Deutschlands Spärogusswalzen. Ab 1953 begannen Modernisierung und Ausbau beider Werke, die jedoch zunächst von einem großen Unglück überschattet wurden.

Am 15. März 1952 brannte die Gießerei des Werkes II völlig aus. In einem Lager des Hartgusswerkes brach das Feuer aus, das mit enormer Geschwindigkeit auf die anliegende Gießereihalle übergriff. Bis auf die Ofenanlage wurde der jahrhundertalte Hallenbau Opfer der Flammen. Alle Belegschaftsmitglieder waren an den Löscharbeiten beteiligt. Im gemeinsamen Einsatz mit der Feuerwehr konnte das Feuer auf die Gießerei und der Gesamtschaden beschränkt werden. Die gesamte Belegschaft half beim Aufbau der komplett abgebrannten Gießerei. Die ausfallende Produktion des Hartgusswerkes wurde von Werk I in Schichtarbeit übernommen, so dass die Produktion in dieser Zeit nicht abfiel und Arbeitsplätze erhalten werden konnten.

Noch im gleichen Jahr, am 27. Oktober, feierten Unternehmen und Gemeinde das Richtfest der neuen, doppelt so großen Hartguss- und Walzengießereihalle, die nach modernsten fabrikbaulichen Gesichtspunkten errichtet wurde. In kürzester Zeit, ohne dass dabei die Produktion auch nur einen Tag stillgestanden hätte, verwandelten sich die Brandruinen in eine neue Werkhalle von 110 m Länge, 50 m Breite und 13 m Höhe.

Schon ein Jahr nach dem Brand erfuhr die Gießerei im Werk II eine weitere Modernisierung. Ein Elektro-Lichtbogen-Ofen ermöglichte eine sichere und gleichmäßigere Herstellung der neuen Walzen. Ein erster Schritt zur Erneuerung der Walzenproduktion nach modernen Methoden wurde vorgenommen. Für den Vier-Tonnen-Lichtbogen-Ofen, den Bundeswirtschaftsminister Erhard 1955 einweihte, wurde eine neue Schmelz- und Gießhalle erbaut. Diesem Schritt folgte die Zusammenlegung der bisher noch immer getrennten Gießereien (Werk II) und Drehereien (Werk I), um die mit der Trennung verbundenen Transportkosten zu reduzieren.

1957 wird der Neubau der Gießerei im Hartgusswerk nach Verlängerung der Schmelzhalle um 50 m, Errichtung einer neuen Formerei, einer 80 m langen Rohstofflagerhalle und der Montage eines Heißwind-Kupolofens in das an die alte Elektro-Ofenhalle angebaute 26 m hohe Ofenhaus, vorerst beendet.

In der kurzen Bauzeit von nur 14 Monaten wurden die neuen Anlagen fertiggestellt. Ein neues Laboratorium wurde in einem Anbau an der Gießereihalle untergebracht. Zusätzlich erstellte man Transformatorenräume, ölbeheizte Trockenkammern mit automatischer Temperatureinstellung und eine Nassputzanlage. Mit den drei neuen Schmelzöfen wurde auch die neue Umspannstation der Elektrizitätswerke Siegerland in Betrieb genommen. Die 1955 von Marienborn über die Feuersbacher Höhe gelegte 10.000-Volt-Leitung ist nun auf 100.000 Volt verstärkt worden, um den erhöhten Energiebedarf der Fa. Irle nachzukommen.

Der Stand der Werkseinrichtung im Jahre 1957 umfasste somit einen neuwertigen Vier-Tonnen-Lichtbogenofen, den bereits seit April 1955 betriebenen Acht-Tonnen-Lichtbogenofen, weiter einen neuen 1,8-Tonnen-Induktionsofen und dem ebenfalls neuartigen Heißwind-Kupolofen mit kontinuierlichem Eisen- und Schlackenablauf. Dieser hochmoderne, mit einer Nassentstaubungsanlage ausgestattete Ofen, der erste dieser Art im Siegerland, arbeitete mit einer Kapazität von 6 bis 7 Tonnen pro Stunde.

In Deuz wurde der seltene Fall praktiziert, dass die alten Werksgebäude gänzlich abgerissen und durch Neubauten ersetzt wurden. Gleichzeitig erfolgte eine klare räumliche Trennung der Produktionsverfahren. Betriebsvorgänge wurden zentralisiert, Betriebsabläufe rationalisiert. Während vor dem Umbau in den beiden Werken gegossen und verarbeitet wurde, hat man nunmehr jedes Werk auf eine der beiden Aufgaben spezialisiert. Im Stammwerk wurden die schweren Walzen, im Hartgusswerk mittlere und kleine Walzen gegossen. Ab 1960 konzentrierte sich die Walzenbearbeitung (Dreherei und Schleiferei) auf die Betriebsabteilung an der Marburger Straße und der gesamte Walzenguss auf die andere Abteilung.