Die Deuzer Mahlmühle und Entstehung von Werk II

Die Entwicklung des Unternehmens ließ sich nicht aufhalten. Im Jahre 1911 baute die Firma Irle die alte Mahlmühle zu einer neuen Gießerei mit anschließender Weiterbearbeitung um. Es entstand das Hartgusswerk Deuz, das den Namen Werk II erhielt. Da der Platz bei dem ersten Werk recht beengt war - die Sieg musste zweimal verlegt werden - bot sich der ausreichende Platz am Dorfende zur Erweiterung der Produktionsanlagen der Abteilung II an. In dieser Abteilung sollten vor allem die kleineren Hartgussartikel hergestellt werden.

Als das Werk II in Betrieb genommen wurde, erfolgte eine bedeutende Produktionserweiterung: Sämtliche Spezialwalzen für die Papier-, Farb-, Gummi-, Leder- und chemische Industrie, für Mühlen und andere Betreibe der Ernährungswirtschaft werden hergestellt. Hatten die Walzen bis 1911 noch eine Begrenzung von 600 mm Ballendurchmesser, so erhöhten sich die Maße nach Übernahme der "Weymerskirch-Patente" auf 800 mm. Nachdem 1926 ein Flammofen mit 26 t Leistung errichtet war, wurde der Guss von Walzen mit 1200 mm Ballendurchmesser bis zu einem Stückgewicht von 16 t möglich.

Der Maschinenpark und die Werksgebäude wurden nach neuesten Erkenntnissen fortlaufend verbessert und erweitert und in das Fabrikationsprogramm die Herstellung von Walzen für alle Verwendungszwecke in halb- und mildhartem sowie Kokillen- und Schalenhartguss aufgenommen. Die zur Verwendung kommenden hochwertigen Rohstoffe werden in Flamm- und Kupolöfen erschmolzen.

Den guten Ideen und unermüdlichen Erfindergeist des Ingenieurs Willibald Raym, ein weiterer Schwiegersohn von Rudolf Irle, war es zu verdanken, dass im neugebauten Werk II ein so umfassendes und vielseitiges Angebot an Walzen hergestellt wurde. Er schuf als Leiter dieser Abteilung erst die Universalität des Unternehmens, die weltweit ihresgleichen sucht.

Raym errichtete also eine völlig neue Gießerei für kleine Hartguss- und Verschleissteile, die auf acht Walzendrehbänken und einer weiteren Fräsmaschine bearbeitet wurden. Insbesondere Reduzierrollen, kleine Walzen und Hartgussteile, die in der Formerei viel Platz beanspruchten und einer Spezialbehandlung bedurften, bestimmten in den Anfangsjahren die Produktpalette der neuen Abteilung.

Mit Ausbruch des Krieges im Jahre 1914 musste das Werk wieder stillgelegt werden, da der Leiter Willibald Raym und ein großer Teil der Arbeiter eingezogen wurden. Alle noch zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte mussten im Werk I eingesetzt werden. Bis dahin konnten mit 86 Beschäftigten 2500 t Fertigwalzen produziert werden. Erst nach einiger Zeit stellte Raym nach Rückkehr in die Abteilung II die vorhandenen Maschinen zur Bearbeitung von Granaten um, so dass wenigstens die Bearbeitungswerkstätten weitere Verwendung finden konnten. Im Laufe der Kriegsjahre wurden Pressstahlgranaten von allen Kalibern bis 42 cm gedreht.