Die Silber- und Bleihütte nach 1848

Im Jahre 1847 besichtigte Jakob Irle die brachliegende Silber- und Bleihütte in Deuz, die für 1000 Thaler zum Verkaufe stand. Am 24. Januar 1848 kam der Kaufvertrag zustande, (der da lautete: "**"). Beim Abbruch des Silber-Treibherdes und den Aufräumarbeiten fand man eine Silbersau, die durch einen rissigen Herd entstanden sein musste. Diese hatte einen Wert, der den halben Kaufpreis ausmachte.

Jakob Irle schreibt dazu in seinen Erinnerungen:

"Im Grunde der Bleiöfen fand sich noch für ca. 200 Thaler Blei, viel Eisenwerk und Platten in leider ausgeräumten Gebäuden, 4 hölzerne Blasebälge sowie im Abtreibegebäude noch in einer Tiefe von 1,5 Fuß fünf Teller Blei, im Centner 5 Loth Silber enthaltend, sodaß ich annehmen konnte, im Ganzen für Blei, Eisen- und Holzteile, Mauersteine etc. wohl 500 Thaler Wert erhalten zu haben, also die Hälfte des Kaufpreises."

(Das Original befindet sich in Besitz der Fa. Irle)

Aus einem alten Kontobuch von Karl Irle, das sich später im Besitz seines Sohnes Albert befand, gehen folgende Kosten über den Kauf hervor: Aus dieser Kostenaufstellung für die Einrichtung des neu erworbenen Werkes, ist zu ersehen, dass man zuerst nicht beabsichtigte, die Gießerei selbst nach Deuz zu verlegen. Lediglich die Gussstücke sollten dort fertig bearbeitet werden.

Im Frühjahr 1848 ließ Jakob Irle in dem Schmelz- und Abtreibegebäude die Schornsteine und Öfen ausräumen, um zuerst ein Schleifwerk und Poliererei mit der Wasserkraft der Sieg zu betreiben, mit der Absicht, die nach wie vor in Marienborn gegossenen Öfen in Deuz abzudrehen und zu schleifen.

Am 14. Juli 1848 erhielten die Brüder Jakob und Karl Irle die Konzession, die Metallhütte in eine Eisengießerei umzuwandeln. Ursprünglich war geplant, den Guss der Öfen weiterhin in Marienborn durchzuführen und die Gussstücke zur Fertigbearbeitung nach Deuz zu schaffen. Doch schon nach wenigen Jahren erwiesen sich die Transporte als viel zu aufwendig. Darum verlegten die Besitzer die Gießerei schon 1854 nach Deuz.

Im November 1848 war die Einrichtung, bestehend aus einer Ofendrehbank, zwei Polierbänke und einem Schleifstein fertig. Die Einrichtung des Schleifwerkes kostete 1200 Thaler. Beschäftigt wurden neben Jakob Irle, der das Abdrehen der Öfen besorgte, noch vier Arbeiter. Jakob Irle berichtet in seinen Erinnerungen:

"Ich konnte nun polierte Öfen mit 4 Arbeitern genug liefern, trotz der schlechten Wege von Marienborn über Caan, Feuersbach nach Deuz, meist Hohlwege. Eine Ochsenfuhre brachte die rohen Öfen und nahm die polierten wieder nach Marienborn zurück. In Marienborn war ich, wenn ich mal die Reisen gemacht, nicht mehr so nötig als früher und so blieb ich in der Woche meistens in Deuz und besorgte wenigstens ein Jahr lang das Abdrehen der Öfen. Die Einrichtung des Schleifwerks hatte ich bald wieder abverdient".

Jakob und Karl Irle übernahmen 1853 nach dem Tod ihrer Eltern die Gießerei in Marienborn mit allen Mobilien, Modellen und Gerätschaften; der Bruder Fritz Irle führte das Roheisengeschäft weiter. Im gleichen Jahr wurde die Sieg-Lahn-Straße von Weidenau über Netphen, Deuz, Grissenbach, Nenkersdorf und Walpersdorf bis zur Sieg gebaut. Da entschloss sich Jakob Irle, den Betrieb von Marienborn nach Deuz zu verlegen, um hier unabhängig von den anderen Gewerken der Marienborner Hütte selbständig planen und wirken zu können. 1854 wurden die alten Gebäude endgültig abgerissen.

Durch die Sieg-Lahn-Straße war die Abfuhr der Gusswaren und die Anfuhr der Rohmaterialien günstiger geworden. Zwar waren die Frachten gegenüber der Konkurrenz im unteren Siegtal höher, jedoch brachten die niedrigen Löhne, die preiswerte Holzkohle aus dem Holz der umliegenden Hauberge und das ausreichende Wassergefälle den Ausgleich.

"Nachdem nun zum Gießen alles gebaut und hergerichtet, nämlich Leiststube oder Lehmformerei, Sandformerei, Poche und Gebläse, ein Weg über die Wiese und 2 Cupolöfen haben wir Anfang Juli 1854 das erste Mal gegossen (Anm. Gußwaren aller Art), wozu auch Freunde aus Marienborn erschienen waren."

(aus den Lebenserinnerungen des Jakob Irle)

Da die Geschäfte in der neuen Gießerei gut gingen, erfuhr das Unternehmen einen weiteren großzügigen Ausbau. Moderne Maschinen wurden angeschafft. Noch im gleichen Jahr gründeten die beiden Brüder Jakob und Karl Irle die handelsgerichtlich eingetragene Firma "Hermann Irle, Deuz".

Mit der Verlegung des Werkes nach Deuz vergrößerte sich die Walzenproduktion und wurde zum eigentlichen Industriezweig der Firma. Gleichzeitig nahm die Ofenfabrikation immer weiter ab. Trotzdem wurde der Ofenguss nicht völlig aufgegeben, da sich die typischen, zylinderförmigen Gussöfen weiterhin großer Beliebtheit erfreuten. Erst im Jahre 1891 goss die Firma Hermann Irle endgültig den letzten Ofen.

Inzwischen hatten sich die Hartgusswalzen, die in Kokille gegossen wurden, immer mehr bei der Industrie durchgesetzt. Die Abmessungen wurden immer größer, die Verwendungszwecke immer vielseitiger. Für die Bearbeitung mussten immer schwerere Maschinen angeschafft und die Gießerei weiter ausgebaut werden. Das Unternehmen leistete sich 1875 eine 25 PS starke Dampfmaschine, um die Energie für die Produktion dauerhaft erzeugen zu können und nicht von den natürlichen Schwankungen der Wasserkraft abhängig zu sein.

Die Größe der Walzen war für die Firma jedoch beschränkt, da die Bahnverbindung nach Weidenau noch nicht bestand und die fertigen Stücke auf dem Fuhrwerk nach Weidenau geschafft werden mussten. Die Firma war dadurch gezwungen, sich bereits frühzeitig auf die Herstellung von kleineren Walzen zu spezialisieren. Es gelang ihr bald, sich in diesen Artikeln einen guten Ruf in der Industrie zu verschaffen und nach dem Bau der Kleinbahn Weidenau-Deuz die Produktion schwerer Walzen als weiteren Fabrikationszweig aufzunehmen.