Lage und Klima, Bodenschätze und Vegetation des Siegerlandes

Das Siegerland ist eine Landschaft im Südzipfel der ehemaligen Provinz Westfalen, deren geographisch abgeschlossene Lage mitten im Ostflügel des Rechtsrheinischen Schiefergebirges schon früh zur Entstehung eines einheitlichen Wirtschaftsraumes führte.

Bis auf geringfügige Abweichungen im Westen und Südwesten des Landes fallen politisch-geschichtliche und natürliche Grenzen zusammen, die durch Wasserscheiden und Höhenzüge bestimmt werden, so dass man von einem weiträumigen Gebirgskessel sprechen kann. Als Mittelgebirgsland grenzt es sich gegen die umgebenden Hochflächen des Biggehochlandes, Sauerlandes, Ederhochlandes und Hohen Westerwaldes in natürlicher Weise ab. Im Norden und Nordwesten bildet die Wasserscheide zwischen Sieg und Lenne, im Süden der Westerwald die Grenze, während im Osten die Wasserscheide zwischen Eder, Lahn und Dill eine natürliche Abgrenzung schafft.

Im Innern stellt sich das Siegerland als Hügelland dar, dessen langgestreckte Gebirgsrücken, bis 678 m hohe Ausläufer des Rothaargebirges, durch zahlreiche enge, aber wasserreiche Täler voneinander geschieden sind (vgl. T. Irle, 1964, S. 11).

Der Siegerländer Wirtschaftsraum umfasst im Norden noch die Nachbarkreise Olpe und Wittgenstein und im Süden Teile des Dill-Kreises und des Kreises Altenkirchen, einschließlich des Bergbaus und der Industrie von Wissen im Siegtal. In seinem geographischen und ökonomischen Zentrum liegt die Stadt Siegen, natürlicher Mittelpunkt, in dem sich der Güteraustausch und ein Ausgleich der wirtschaftlichen Interessen vollziehen konnte. Hier wurden die landwirtschaftlichen Produkte abgesetzt oder bezogen, hier konzentrierte sich das Leben der Siegerländer Wirtschaft.

In dem Zeitraum zwischen 1079 und 1089 wird der Ort Siegen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Name Siegen steht unverkennbar im Zusammenhang mit dem Namen des Flusses Sieg und ist erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts als ein verkehrsmäßig hervorgehobener Ort und durch Bodenschätze ausgezeichneter Raum bekannt geworden (vgl. T. Irle, 1964, S. 18).

Das Klima des Siegerlandes ist rauh und durch häufige und schroffe Temperaturwechsel gekennzeichnet, während die jährliche Niederschlagsmenge im Durchschnitt zwischen 900 und 1200 mm liegt. So waren dem Ackerbau durch Kargheit des Bodens und Ungunst des Klimas seit jeher natürliche Grenzen gesetzt. Lediglich der Viehzucht boten sich bessere Verhältnisse.

Die Nachteile für die Landwirtschaft wurden jedoch vielfältig aufgewogen durch reichhaltige Erzlagerstätten. Spat-, Braun- und Roteisenstein wurden für das Land von größter Bedeutung, und auch Silber, Blei und andere Metalle konnten gewonnen werden. Das manganhaltige und phosphorfreie Spateisenerz trug dem Siegerländer Spiegeleisen seinen guten Ruf ein.

Da die Täler versumpft und von undurchdringlichem Weiden- und Erlengestrüpp überwuchert waren, konnten sie als Siedlungsplätze nicht in Betracht kommen, wohl aber die Höhen mit ihrem Buchen- und Eichenbewuchs. Erst als man im 13. Jahrhundert die Hütten und Hämmer an die Wasserläufe verlegte, ging man dazu über, auch die Täler zu besiedeln (vgl. T. Irle, S. 12).

Die Ausnutzung dieser dritten Standortgegebenheit, neben Eisenerz und Holzkohle, hat das Siegerländer Eisengewerbe zur Talindustrie gemacht. Es traf sich günstig, dass diese Wasserkraft zunächst auch in ausreichender Menge zur Verfügung stand, denn die Gebirgsmulde des Siegerlandes empfängt durch die Steigungsregen ihres hohen Außenrandes reichlich Niederschläge, deren Abfluss durch die starke Laubwaldbedeckung zeitlich günstig geregelt wird. So gab es im Winter einen Überfluß an Betriebswasser, dem von August bis September und während der Gefriermonate Januar und Februar eine Periode des Wassermangels gegenüberstand. Ein altes Siegerländer Sprichwort umschreibt treffend die Abhängigkeit der Bevölkerung von diesem kostbaren Rohstoff:

"Ha m'r Wasser trenke m'r Wing,
ha m'r keij Wasser trenke m'r Wasser"


 "Haben wir Wasser, trinken wir Wein
haben wir kein Wasser, trinken wir Wasser."