Die ältesten Siegerländer Eisenwerke

Die im Jahre 1311 erstmals erwähnte "mashutte uff der Weste" scheint nicht die einzige gewesen zu sein, die wahrscheinlich schon früher und mit noch anderen Hütten den Standortwechsel von der Holzkohle zur Wasserkraft vollzogen hat.

Zu den ersten und ältesten Hütten des Siegerlandes zählten die Freudenberger Hütte (1417), die Hütte bei Langenau in adeligem Besitz und der dazugehörende Buschhütter Eisenhammer, der 1452 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Die ältere Geschichte der Nassauischen Eisenindustrie verzeichnet nach dem Rentbuch des Amtes Siegen für das Jahr 1417 schon 25 Eisenhütten, 1444 stieg deren Anzahl auf 35 (darunter die Obere Marienborner und die Kaaner Hütte), 1463 bestanden 40 Eisenwerke und 1505 erreichte die Anzahl der Eisenwerke mit 44 Hütten ihren vorläufigen Höchststand, bevor ihre Zahl bis 1600 wieder auf 33 Eisenwerke zurückging.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ist auch ein Gleichgewichtszustand zwischen der Anzahl der Hütten und Hämmer und der vom Siegerländer Haubergsraum lieferbaren Holzkohlenmenge eingetreten. Eine weitere Zunahme wurde daher durch eine dem Gewerbe der Massenbläser und Hammerschmiede dienende Vereinbarung mit dem Landesherrn vom 12. September 1552 verhindert, nach der weder er noch seine Untertanen weitere Hütten errichten durften. Diese Verpflichtung wurde 1616 erneuert.

Außer der Anzahl der Hütten war auch deren Betriebszeit zur möglichst gleichmäßigen Versorgung aller Eisenwerke mit Holzkohle durch sogenanntes "Reisen" beschränkt. Die Betriebszeit der Blashütten bestand nur aus einer bis zwei oder zweieinhalb dieser Hüttenreisen. Die Hammerhütten dagegen waren jährlich zu 240 Tagen Betriebszeit berechtigt, die sich in zehn "Hammerreisen" über das ganze Jahr verteilten.

Im Gegensatz zu den Eisenhämmern haben die Blashütten des Siegerlandes niemals ortsbildend gewirkt, aufgrund ihrer kurzen Betriebszeit. Daher war die Anwesenheit des Besitzers bei seiner Blashütte nur wenige Wochen im Jahr notwendig. Der Grund, dass die Hammerhütten bald nach ihrem Bestehen ortsbildend wirkten, war, umgekehrt wie bei den Blashütten, ihre lange Betriebszeit (vgl. P.Fickeler 1954, S. 20).

Nur im Hochsommer und im tiefen Winter, wenn Trockenheit oder starker Frost die Wasserzufuhr behinderten, war "müßige Zeit", d.h., der Hammer lag still. Der Arbeitstag war sechzehnstündig, von 4 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Diese Umstände zwangen den Hammerbesitzer, sich trotz ungünstiger Siedlungslage in nächster Nähe seines Hammers ansässig zu machen. So entstanden oft dicht bei alten Dörfern, im 15. Jahrhundert die vielen Industrieorte, deren Namen meist mit dem Wort "Hütten" gebildet sind (vgl. Böttger u.a., 1967, S. 149).