Das Geschlecht der Irles

Der Name Irle lässt sich bis in das Jahr 1434 zurückverfolgen. Er taucht erstmals im Zusammenhang mit einem Ort auf, der mit Erlen bewachsen ist - der Erlenhof in Ferndorf. Erle bedeutet im altsiegerländischen Sprachgebrauch Irle. So kamen die Bewohner des Erlenhofes zu ihrem Namen.

Die Irles waren in den ältesten Generationen Erbpächter des Irlenhofs, der dem Zisterzienser-Nonnenkloster Drolshagen bei Olpe im Sauerland gehörte. Von dem verstorbenen Welter (Walter) ging der Irlenhof 1434 als Lehen an seine Söhne Gerhard und Henne über. Der nächste bekannte Pächter war der 1461 und 1466 erwähnte Hermann zon Irlen, der Stammvater der Irle-Nachkommen.

Von nun an lassen sich die Erbpächter lückenlos verfolgen. Um 1645 ging der Irlenhof auf einen Schwiegersohn von Friedrich Irle über, und von dieser Zeit an wechselten die Familiennamen oft.

Schon früh wanderten Söhne der Irlenhof-Pächter ab. Bereits 1455 wird ein Arnold von den Irlen in der Hontgasse zu Siegen im Bürgerverzeichnis erwähnt (vgl. "Siegen und das Siegerland 1224-1924", Verlag Vorländer, Siegen 1924, S. 114). Aus den Jahren 1475-1490 war ein Johannes Irle als Kaiserlicher Notar und Kleriker des Mainzer Bistums im Siegener Urkundenbuch erwähnt. Um 1500 erstellte Dr. Heinrich Irlen, Trierer Professor für Kirchenrecht, dem Siegener Urkundenbuch zufolge ein Gutachten über die Erbschaft der Keppeler Nonne Katharine von Selbach.

In einem unveröffentlichten Manuskript von Dr. Lothar Irle heißt es dazu:

"Das Geschlecht derer vom Irlenhof scheint um 1500 recht angesehen gewesen zu sein. Bekannt ist ein Johann von den Irlen, der 1482 bis 1505 Pfarrer zu Ferndorf war. Ferner ein Phil. Eerlen de Segen, der 1494 an der Universität Köln Philosophie studierte und ein Johannes Irle, der um 1495 als kaiserlicher Notar fungierte".

Von Anfang an waren die Irle mit der Eisenindustrie verwachsen. Eine Urkunde aus dem Jahre 1463 weist erstmals auf den "Berger Hammer" hin. Danach hat Henne oder Hen von den Irlen vom Hammerwerk zu Ferndorf 5 Gulden gezahlt. Henne ist somit der erste Irle, der nachweisbar mit Eisen zu tun hatte. Er war in erster Linie Hammerschmied und Gewerke. Das geht aus einer Urkunde aus dem Jahre 1463 hervor. Ab 1467 ist sein Sohn immer mehr an seine Stelle gerückt, der 1480 seinen Namen in Henchin Hamersmydt änderte. Damit verliert sich der Name Irle in dieser Linie.

Die Marienborner Linie

Im Zusammenhang mit der Firmen- und Familienchronik ist Johann (Henche auch Johenche) Irle, genannt der "Ringkeuer" oder "Rinckewer" (Rheingauer), von besonderem Interesse, da er die Linie fortsetzt, von der die Firma ihre Abstammung herleitet. Johann (1592-1656) unterhielt in Müsen wahrscheinlich ein Fuhrgeschäft. Die Lage an der Fernstraße nach Olpe bis in den Rheingau mag dazu beigetragen haben und gab ihm seinen Beinamen "Ringkeuer".

Die Ursprünge der Firma Walzen Irle GmbH liegen jedoch in Kaan Marienborn, wo die Vorfahren der Deuzer Firmengründer Tagwerke an der Marienborner Hütte besaßen. Dort stellten sie in der Anfangszeit vor allem Zimmeröfen und gusseiserne Artikel für den täglichen Gebrauch her. Später, nachdem Hermann Irle in Marienborn 1820 die erste Hartgusswalze hergestellt hatte, spezialisierte sich das Familienunternehmen auf die Produktion dieser Walzen, die noch heute in vielen Bereichen der Industrie zu finden sind.

In den Jahren des einfachen Ofenbaus (16./17. Jahrhundert) war die Kunst des Bälgermachers ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit des Schmelzprozesses. Ein starkes Gebläse war bei den alten Schmelzverfahren notwendig. Den Bälgermachern kam eine so große Bedeutung zu, dass sie sich in einer eigenen Zunft zusammengeschlossen haben.

Johannes der Bälgemacher Stammvater der Firma Hermann Irle GmbH

Johannes Irle wurde am 11. März.1666 in Dahlbruch bei Kreuztal getauft. Von Beruf war er Bälgermacher. Durch seine Arbeit kam Johannes Irle weit im Siegerland herum. In Marienborn, wo Johannes Achenbach an der oberen und unteren Marienborner Hütte als Gewerke tätig war, lernte er dessen Tochter, die 24jährige Anna Christine Achenbach, kennen und heiratete sie Ende August 1693 in Kaan. Dort lebte er auch nach der Heirat zusammen mit seiner Frau und den sechs Kindern. Johannes Irle begründete in Kaan-Marienborn die Eisenbearbeitung aber auch die Bierherstellung. So sorgte der Bälgemacher, Hüttengewerke, Gastwirt und Bierbrauer, Eisenfabrikant und - händler in einer Person nicht nur für die Unterkunft, sondern auch für die Verpflegung der Kunden mit selbstgebrautem Bier.

Von Johannes dem Bälgemacher bis zur Fa. Walzen Irle GmbH, Deuz

Für die Firmenchronik ist Johannes der Bälgemacher insofern von Bedeutung, als er der Stammvater der Generationen ist, die von diesem Zeitpunkt ab in ununterbrochener Folge bis auf den heutigen Tag in enger Verbindung mit dem Eisen stehen. In ihm ist der eigentliche Begründer der Firma Hermann Irle GmbH zu sehen, wenn diese auch nicht seinen Namen trägt.

Durch die Heirat wurde Johannes Gewerke an der oberen Marienborner Hütte und vererbte sein Wissen um den Schmelzprozess und sein Können an seinen ältesten Sohn Helmann Irle. Das setzte sich von Generation zu Generation weiter fort bis Albert Irle, der bis zu seinem Tod 1948 als letzter mit dem Namen Irle das Unternehmen führte.